Die Geschichte des Montreux Jazz Festival (ZDF Doku)

Vor 4 Jahren hat das ZDF eine 60 Min. Dokumentation zur Geschichte des Montreux Jazz Festivals produziert. Der Film ist in 6 Teilen auf YouTube verfügbar.

Teil 1 zeigt als Einführung, neben einigen Ausschnitten aus den Konzertaufnahmen des Festivals, verschiedene Statements von Musikern wie Quincy Jones, Joe Sample, Mike Hucknall oder Eddy Grant, sowie erste Einblicke in die Arbeitsweise und -umgebung von Claude Nobs

Im Teil 2 beginnt der Rückblick zu den Anfängen des Festivals im Jahre 1967. Interessant ist hier das kurze Statement von Raymond Jaussi, dem damaligen Chef von Claude Nobs im Tourismus Büro von Montreux, sowie die Geschichte wie Claude Nobs einfach bei Atlantic Records in New York herinreinspaziert ist, um dort die ersten Musiker für sein Festival zu akquirieren. Was wir hier lernen können, ist, dass es keine Hindernisse gibt, wenn man sie nicht sieht. Gegen Ende dieses Teils sehen wir wie Claude Nobs in seinem Chalet den Musikern aus aller Welt jedes Jahr ein 'Ferienfeeling' in freundschaftlicher und ungezwungener Umgebung gab, und damit einen der Grundsteine des Erfolges des Jazz Festival Montreux legte.

Im dritten Teil erzählt uns Claude Nobs mit der Geschichte zum Auftritt von Nina Simone 1976, dass es auch dazu gehört, sich von den schwierigen Fällen nicht aus der Ruhe zu bringen. Hier erfahren wir zudem, wie er David Bowie und Freddy Mercury dazu motiviert hat, zusammen ins Studio zu gehen, woraus dann der Song "Under Pressure" entstanden ist.

Teil 4 beginnt mit der ewigen Diskussuion, warum das Jazz Festival Montreux nicht auf Jazz beschränkt ist und zeigt wie die Veranstalter versucht haben das Festival 1976 und 1977 nur mit "Montreux Intenational Festival" zu bezeichnen, sie aber feststellen mussten, dass die Marke "Jazz Festival Montreux" längst in den Köpfen der Menschen etabliert war. Weiterhin hören wir, wie wichtig für Claude Nobs auch die freien Konzerte waren. Etwas, was sich die neue Festivalleitung vielleicht stärker zu herzen nehmen sollte. Das Fehlen des Montreux Jazz Café in diesem Jahr wird hoffentlich dereinst als Ausrutscher in die Gechichte eingehen. Gegen Ende dieses Teils, spricht Claude Nobs über den berühmten Casinobrand von 1971 und die Entstehungsgeschichte von Smoke on the Water von Deep Purple. Er würde uns auch zuhören lassen, aber im YouTube Video ist dieser Teil der Audiospur während fast einer Minute gemuted; aus urheberrechtlichen Gründen. Wir sehen hier sehr schön, wie willkürlich und absurd diese Einschränkungen sind. Es wird offenbar nur die Studioaufnahme gesperrt.

Im fünten Teil geht es vor allem um das fanstastische Archiv, welches Claude Nobs in den über 45 Jahren, seit Beginn des Festivals aufgebaut hat, und welches dieses Jahr in die Liste des UNESCO Weltdokumenterbes aufgenommen wurde. Leider werde ich wohl nicht mehr erleben, wie dieses Archiv den Menschen zugänglich gemacht wird. Auch hier verhindert ein veraltetes und einseitig konzipiertes Urheberrecht den Zugang zu Kulturgütern.

Der letzte Teil befasst sich mit der wichtigen Rolle von Quincy Jones und seiner Freundschaft mit Claude Nobs, sowie den Spekulationen darüber, was mit dem Festival geschehen wird, wenn Claude Nobs einmal nicht mehr unter uns weilt. Dieses Jahr, am 10. Januar, ist leider wahr geworden, was bei den Aufnahmen des Filmes im Jahre 2009 noch in weiter Ferne schien. Claude Nobs war eine Ausnahmeerscheinung, er war ein Mann mit Leidenschaften, ein Freak mit einer Vision und gleichzeitig ein Macher, der sich auch nicht von grossen Steinen im Weg aufhalten liess. Einer, den man sich getrost zum Vorbild nehmen darf.

NZZ Format Beiträge im Downloadshop ohne DRM

Seit letzter Woche bietet die NZZ einen Downloadshop für ihre NZZ Format Sendungen an. Das ist mir vor allem darum eine Notiz wert, weil die Filme ohne lästigen Kopierschutz, also ohne DRM (Digital Rights Management) angeboten werden. Viele Filme sind zwar noch nicht in einer Download-Version verfügbar, aber der Mut auf DRM zu verzichten und die Produktionen auf diese Weise zugänglich zu machen, ist auf jeden Fall lobenswert. Was jetzt noch fehlt, ist ein zusätzliches, werbefinanziertes Streamingangebot mit embeddable Videoplayer, das ganze Archiv online und vielleicht etwas weniger Schwarz auf der Website. Am schönsten wäre natürlich eine Creative Commons Lizenz für die Inhalte, aber ja ich weiss...ich träume weiter.

Dein Film produziert von Ridley Scott: Life in a Day

Ridley Scott produziert ein interessantes Filmexperiment: Unter der Regie von Kevin Macdonald soll ein Dokumentarfilm entstehen, der die Welt portraitiert, wie sie sich in den Augen tausender von Hobbyfilmern am 24. Juli 2010 darstellt. In der F.A.Z. Online ist ein Interview mit dem Regisseur zu lesen: "Die ganze Welt dreht mit." Hier ist der YouTube Kanal zum Projekt. Mal sehen ob ich 24/7 gerade ein Konzert vor der Linse haben werde.

 

Übergewichtige Kinder - 1967

Übergewicht bei Kindern und Erwachsenen wurde in Grossbritanien offenbar bereits in den 60er Jahren als Problem deklariert. Dieser Film von 1967 versucht ziemlich dramatisch die UK Mütter in Sachen gesunder Ernährung aufzuklären. Interessant sind die ca. 13 Minuten Filmmaterial in verschiedener Hinsicht.

Die Szenen bieten einen aus unserer Sicht oft auch amüsanten Einblick in das Alltagsleben britischer Familien zu dieser Zeit. Im zweiten Teil wird bei ca. 00:40 zum Beispiel ein Kleinkind gewogen. Ich habe etwas Zeit gebraucht, bis ich begriffen hatte, was die Dame da macht. Ist das Wägen mit Gewichtssteinen doch eine Kulturtechnik, die so ziemlich aus unserem Blickfeld verschwunden ist; nicht wahr Christian?

Viele Aussagen zur ausgewogenen Ernährung haben heute noch ihre Gültigkeit. Auch wenn es mittlerweile hunderte von Theorien und zehntausende von wissenschaftlichen Studien mehr gibt als 1967, bleibt es wohl einfach so simpel wie es hier beschrieben wird: Wer mehr Energie zu sich nimmt, als sein Körper verbraucht, setzt an, und wer es umgekehrt macht, nimmt ab. Der Energieumsatz der Menschen ist verschieden, jeder muss für sich selbst herausfinden, wieviel es verträgt. Am einfachsten und auch ohne Kalorien zählen zu müssen, lässt sich das Problem durch einen Ernährungsplan mit viel Früchten und Gemüsen und viel körperlicher Bewegung lösen. 

Die Art und Weise wie der Film den Müttern übergewichtiger Kinder ins gewissen redet, wirkt für unsere Zeit allerdings sehr anmassend. Vor allem am Schluss des dritten Teils, wenn die Schulärztin direkt zu uns spricht, wird es fast unerträglich anklagend. Stellen wir uns einmal vor, wir würden einen solchen Film heute im TV oder im Kino im Vorprogramm zeigen? Mit Steuergeldern finanziert? Es gäbe wohl einige, die sich darüber ziemlich aufregen würden.

Cruel Kindness heisst der Film, grausame Güte zu deutsch. Ziemlich treffend, sowohl für den Inhalt als auch für die Wirkung des Films auf den Betrachter. Viel Spass bei diesem interessanten Dokument der Zeitgeschichte (via BoingBoing).

Cruel Kindness (1967) - Teil 1/3 (4:09)

Cruel Kindness (1967) - Teil 2/3 (5:09)

Cruel Kindness (1967) - Teil 3/3 (3:46)